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Vom schlecht bezahlten Lehrer zum reichsten Mann Chinas

Wenige Tage vor seinem 54. Geburtstag am 10. September vergangenen Jahres kündigte Jack Ma an, dass er als Chef des E-Commerce-Riesen Alibaba zurücktritt. Doch anstatt seine Freizeit als Rentner zu genießen, überraschte er mit der Aussage, dass er wieder als Lehrer arbeiten wolle.

Mas Unternehmen – Chinas größte Digitalfirma – hat nach Angaben des Onlineportals money.com einen Wert von 420 Milliarden US-Dollar, also umgerechnet fast 373 Milliarden Euro. Ma soll ein Vermögen in Höhe von etwa 35 Milliarden Euro besitzen und gilt als reichster Mann Chinas. Er zählt sogar zu den vermögendsten Menschen der Welt.

Chinese wuchs in armer Familie auf

Dass er es mal so weit bringen würde, war zu seiner Kindheit nicht absehbar. Als Ma 1964 geboren wurde, wuchs er in einer Familie auf, die wenig Geld hatte. Er war mager und stritt sich häufig mit seinen Mitschülern. Sie neckten ihn, weil er sehr klein war. „Ich hatte nie Angst vor Gegnern, die größer waren“, zitiert das Onlineportal Ma aus dem Buch „Alibaba“.

Von ausländischen Touristen lernte Ma Englisch. Weil sie ihn unterrichteten, führte er sie im Gegenzug durch die Stadt und erläuterte die Sehenswürdigkeiten. Ma kaufte sich ein Radio, damit er Sendungen auf Englisch hören konnte. Nach der High School bewarb sich Ma am College. Doch wegen seiner schlechten Noten in Mathematik fiel er zwei Mal durch die Aufnahmeprüfung fürs College. Dann bestand er die Prüfung und erreichte 1988 einen Abschluss am Hangzhou Teacher’s Institue.

Ma mochte seine Arbeit, obwohl sie schlecht bezahlt wurde

Der Berufseinsteiger bewarb sich auf so viele Jobs wie möglich, doch er wurde immer abgelehnt. Daraus zog er eine Lehre, die ihn auf seine Karriere als Unternehmer vorbereitete: sich ans Scheitern gewöhnen und daraus lernen. Als Englischlehrer bekam er einen Job an einer Universität. Die Arbeit mochte er, obwohl sein Gehalt nur bei 10,70 Euro pro Monat lag. 1995 reiste er in die USA, entdeckte die Vorzüge des Internets, gab seinen Job als Lehrer auf und lieh sich mehrere tausend Dollar, um die Firma China Pages zu gründen – sein erster Einstieg ins Internetgeschäft. Die Webseite gehörte zu den ersten Internetportalen in China. Wie money.com berichtet, habe er der Zeitung „New York Times“ zufolge die Führung der Firma an die Regierung abgegeben, weil er in ein Joint Venture mit Hangzhou Telecom gezwungen wurde.

Ma ließ sich davon nicht unterkriegen. Er überzeugte 17 Freunde, in einen Online-Marktplatz zu investieren, den er betreiben wollte. 53.316 Euro bekam Ma für alibaba.com zusammen. Dort konnten chinesische Exporteure, Hersteller und Unternehmer Produkte für Käufer aus aller Welt veröffentlichen. Die Webseite soll Ma so genannt haben, weil er in einem Café in San Francisco daran erinnert wurde, wie Ali Baba das geheime Passwort der 40 Räuber mitbekam und er so Zugang zu großen Reichtümern bekam. Mas Unternehmen überstand den Dotcom-Crash und erzielte Gewinne. Aus alibaba.com ging taobao.com hervor – ein Tauschmarkt, der ab 2003 der Konkurrent von Ebay war. Das rasante Wachstum der Tauschplattform brachte Aufmerksamkeit mit sich, sodass Yahoo im Jahr 2005 einen Anteil von 40 Prozent von Alibaba kaufte – für etwa 888,5 Millionen Euro.

Unternehmer baute umsatzstarke Geschäftsfelder auf

Das Internetportal spiegel.de schreibt, mit Alibaba habe Ma „China revolutioniert“. Das gelte sowohl für die Kunden- als auch für die Produzentenseite. Im Gegensatz zu Amazon besitzt Alibaba keine Warenlager, sondern agiert als Händlerplattform, genau wie Ebay. Ma erschloss sich weitere umsatzstarke Geschäftsfelder wie Video-, Musik-, Cloud- und Finanzdienstleistungen, wozu der Bezahldienst Alipay gehört, den mehr als 500 Millionen Chinesen nutzen.

Mit dem beeindruckenden Börsengang machte Ma Alibaba weltbekannt. Im Herbst 2014 erwirtschaftete der Konzern etwa 19,57 Milliarden Euro. Der Kurs des Unternehmens lag am ersten Handelstag bei einem Plus in Höhe von 36 Prozent. Spiegel.de zufolge werden die drei großen chinesischen Internetkonzerne „BAT“ genannt. Das „B“ steht für die Suchmaschine Baidu, das „A“ für Alibaba und das „T“ für den Social-Media-Konzern Tencent.

Im Gegensatz zum Gründer von Baidu, Robin Li, und Tencent-Geschäftsführer Pony Ma galt Jack Ma als charismatisch und extrovertiert. Er legt typische chinesische Unternehmereigenschaften an den Tag: Fleiß und Beharrlichkeit. Seine Persönlichkeit hatte jedoch auch immer einen selbstironischen und clownesken Auswuchs. So erschien Ma während der Jahreshauptversammlungen von Alibaba mal mit Irokesenschnitt und mal als Michael-Jackson-Double. Zudem fiel Ma mit vielen Sinnsprüchen auf. Ebay möge ein Haifisch im Ozean sein, aber er sei ein Krokodil im Yangtse, habe Ma mal gesagt, schreibt spiegel.de. Und chinesischen Unternehmern habe er zum Umgang mit der allmächtigen Regierung geraten: „Mach nie Geschäfte mit den Regierenden. Liebe sie. Heirate sie nicht.“

Bildquelle: imago images/VCG

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